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Vibe Coding: schnell entwickeln – aber kontrolliert betreiben

vor 11 Minuten
3 Min. Lesezeit

Vibe Coding eröffnet Unternehmen völlig neue Möglichkeiten, Software schneller, günstiger und näher am tatsächlichen Bedarf zu entwickeln. Mit Hilfe von AI können auch Personen ohne klassische Entwicklerausbildung Anwendungen, Automatisierungen oder Prototypen erstellen. Der grosse Vorteil liegt in Geschwindigkeit und Flexibilität.


Was dabei jedoch häufig vergessen wird: Auch schnell entwickelte Software braucht Struktur, Dokumentation und Kontrolle – spätestens dann, wenn sie produktiv eingesetzt wird.


Cartoon zum Vibe Coding: Mensch und AI entwickeln gemeinsam Software, begleitet von Dokumentation, Testing, Änderungen und laufender Verifikation.

Dokumentation soll dabei kein Showstopper sein. Richtig eingesetzt unterstützt sie Entwicklung, Betrieb, Wartung und regulatorische Anforderungen.


#1Vibe Coding – Entwicklung im Dialog mit AI.

  • Beim Vibe Coding beschreibt der Anwender gegenüber einer AI, was eine Anwendung tun soll. Die AI erzeugt oder verändert daraufhin Code, während Funktion und Design iterativ weiterentwickelt werden.

  • Damit verschiebt sich der Schwerpunkt: Nicht mehr jede Codezeile muss selbst geschrieben werden. Entscheidend wird vielmehr, Anforderungen verständlich zu formulieren, Ergebnisse zu beurteilen und die Anwendung systematisch zu testen.

  • Gerade für interne Tools, Automatisierungen und kleine Fachanwendungen entstehen dadurch enorme Chancen.


#2Dokumentation – Nicht Bürokratie, sondern Gedächtnis

  • Schnelle Entwicklung führt leicht dazu, dass Entscheidungen nur im Chatverlauf, im Kopf einzelner Personen oder direkt im Code vorhanden sind. Spätestens einige Monate später stellt sich dann die Frage: Warum wurde diese Funktion so gebaut?

  • Eine schlanke Dokumentation sollte deshalb mindestens Zweck, Anforderungen, Architektur, relevante Risiken, Schnittstellen und zentrale Designentscheidungen festhalten.

  • Nicht jede Änderung braucht ein hundertseitiges Dokument. Aber eine Anwendung sollte auch ohne ihren ursprünglichen Entwickler noch verstanden werden können.


#3Planung – Flexibel statt starr

  • Vibe Coding lebt von Iteration. Ein klassischer Entwicklungsplan, der zu Beginn bereits jedes Detail festlegt, passt deshalb nicht.

  • Wir empfehlen stattdessen einen anpassungsfähigen Entwicklungs- und Validierungsplan.

    • Zu Beginn werden Zweck, kritische Funktionen, Risiken, Verantwortlichkeiten und grundsätzliche Teststrategie definiert.

    • Details können während der Entwicklung ergänzt und angepasst werden. Damit bleibt die notwendige Flexibilität erhalten, ohne die Kontrolle über das Projekt zu verlieren.


#4Testing & Validierung – Vertrauen ist gut, Nachweis ist besser

  • Dass eine Anwendung im ersten Test funktioniert, bedeutet noch nicht, dass sie zuverlässig funktioniert. Vor der produktiven Nutzung sollte deshalb ein systematisches Testing erfolgen.

  • Der Umfang richtet sich nach Risiko und Verwendungszweck.

    • Besonders relevant sind beispielsweise: Funktionalität, Grenzfälle, Benutzerrechte, Datenintegrität, Schnittstellen, Fehlerverhalten und Wiederherstellung nach Störungen.

    • Das Ergebnis sollte dokumentiert und die Anwendung anschliessend formell freigegeben werden. Je höher das Risiko einer Fehlfunktion, desto höher muss auch die Tiefe der Prüfung sein.


#5Änderungsmanagement – Vibe Coding hört nach dem Go-Live nicht auf

  • Der grosse Vorteil AI-gestützter Entwicklung liegt gerade darin, Anwendungen sehr schnell verändern zu können. Genau darin liegt aber auch ein Risiko.

  • Eine scheinbar kleine Anpassung kann unbeabsichtigt andere Funktionen beeinflussen. Deshalb sollte jede relevante Änderung nachvollziehbar sein:

    • Was wurde geändert? Warum? Welche Funktionen könnten betroffen sein? Was muss erneut getestet werden?

    • Das Änderungsmanagement muss dabei nicht schwerfällig sein. Entscheidend sind Nachvollziehbarkeit und eine risikobasierte Bewertung.



#6Verifikation – Funktioniert es noch wie vorgesehen?

  • Auch nach der Freigabe sollte eine Anwendung nicht einfach sich selbst überlassen werden. Updates, neue Funktionen, geänderte Schnittstellen, Datenstrukturen oder externe Systeme können die ursprüngliche Funktionsweise beeinflussen.

  • Deshalb braucht es im laufenden Betrieb regelmässige oder ereignisbezogene Verifikationen.

  • Die zentrale Frage lautet: Erfüllt die Anwendung weiterhin zuverlässig ihren vorgesehenen Zweck?


#7. Life Cycle – Von der Idee bis zur Stilllegung

  • Professionelle Softwarebetrachtung endet nicht mit der Entwicklung. Der gesamte Lebenszyklus sollte berücksichtigt werden:

    • Idee → Entwicklung → Test → Freigabe → Betrieb → Änderung → Verifikation → Stilllegung

    • Gerade bei mit AI entwickelter Software ist dieser Life-Cycle-Ansatz besonders wichtig. Denn je schneller Änderungen möglich werden, desto wichtiger wird eine klare Kontrolle darüber, welche Version aktuell produktiv ist und welche Funktionen tatsächlich geprüft wurden.


Geschwindigkeit und Kontrolle sind kein Widerspruch Vibe Coding sollte nicht durch unnötige Bürokratie ausgebremst werden. Ebenso wenig sollte Geschwindigkeit dazu führen, dass Anwendungen später nicht mehr nachvollziehbar, wartbar oder zuverlässig sind.


Unser Ansatz ist deshalb bewusst pragmatisch: Flexibel planen. Schlank dokumentieren. Systematisch testen. Formal freigeben. Änderungen kontrollieren. Laufend verifizieren. So bleibt die Geschwindigkeit des Vibe Coding erhalten – und aus einem schnellen Prototyp wird eine nachhaltig nutzbare Anwendung.


Cartoon-Infografik zum Vibe Coding mit AI: Von Dokumentation und Planung über Testing und Freigabe bis zu Änderungsmanagement, Verifikation und Software-Lifecycle.

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© 2026 Fabian von Kaenel, QPM von Kaenel

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